6. Das Auswählen geeigneter Technologien
Alle Städte müssen eine Reihe von Faktoren berücksichtigen, wenn geeignete Technologien für die Sammlung und Entsorgung von festen Abfällen auszuwählen sind.
Sammlung. Gemeinden verbrauchen oft rund 70 Prozent ihres Betriebsbudgets für SWM, Kosten, die allein aufgrund der steigenden Transportkosten sowie veralteter und schlecht gewarteter Maschinen entstehen. Die Stadt kann diesen Service an private Unternehmen abgeben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass SWM durcj die Privatwirtschaft zwischen 20 und 40 Prozent weniger kostet als vergleichbare öffentliche Dienstleistungen; und diese Privatisierung von SWM trägt zur Anpassung der Praxis an die besten Praktiken und geeignete Technologien bei. SWM-Behörden müssen jedoch beachten, dass eine solche Verschiebung in der Regel sowohl einen Rückgang der Beschäftigung in der Abfallwirtschaft als auch eine institutionelle Verschiebung des Fokus der öffentlichen SWM-Behörden von der Dienstleistung zu Aufsicht und Regulierung mit sich bringt (um sicherzustellen, dass Unternehmen die einschlägigen Normen erfüllen und Absprachen nicht verletzen).
Entsorgung und bestehende Alternativen. Bei der Übernahme von Technologien zur Behandlung fester Abfälle sollten SWM-Behörden die folgenden Aspekte berücksichtigen:
- Planung, Konstruktion und Umsetzung neuer Deponien sind teuer, so dass die Alternativen von kleinen bis mittelgroßen Praktiken berücksichtigt werden sollten.
- Die Tendenz für die Kommunen, teure "end-of-pipe"-Technologien anzuschaffen (wie Sammelfahrzeuge und Verarbeitungsanlagen), führt oft zu zusätzlichen und nicht-nachhaltigen Kosten in der Ausbildung, Reparatur und Wartung vor Ort.
- Ein “Dump-Upgrade” beachtet Deponierungsstandards bei der Low-Cost-Sanierung und erlaubt eine verbesserte Abfallminimierungsstrategie, welche sich oft als kostengünstige Alternativen zu den teuren neuen SWM-Anlagen erweisen.
Gesundheit. Giftiger Ausfluss, Verschmutzung von Wasser und Boden, Methangas-Emissionen aus ungekontrollierten Deponien und nicht nachhaltig ausgwiesene Gebiete, die später oft zur Besiedlung freigegeben werden, stellen nur einige der ökologischen und gesundheitlichen Herausforderungen dar, die sich aus unzureichenden SWM ergeben können. Ein unkontrolliertes Abfall-“dumping” gefährdet stark die Gesundheit von Arbeitern und in der Nähe lebenden Anwohnern. Darüber hinaus hat ein unkontrolliertes Dumping nachteilige Auswirkungen auf alle Stadtbewohner und damit auf die öffentliche Gesundheit des Stadtgebiets bei der Wasserversorgung infolge Luft- und Bodenverschmutzung. Die Behörden müssen die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit bei ihren aktuellen SWM-Strategien einplanen sowie den Nutzen für die Gesundheit und Wirtschaftlichkeit alternativer Strategien bei der Modernisierung von SWM berücksichtigen: beispielsweise ob einer Deponie oder anderen Maßnahmen als Erstinvestition die Priorität zusteht.
Die Recyclingindustrie verändert sich rasch und umfasst eine Vielzahl an Service- und produzierenden Unternehmen, von Unternehmen, die alle Arten von Materialien sammeln und verarbeiten, bis hin zu solchen, die Materialien zur Herstellung recyclingfähiger Produkte wiederverwenden. Die Industrie unterstützt auch Unternehmen bei der öffentlichen Bildung, Beratung, beim Transport, und beim Handel von Recycling-Produkten. Die Recycling-basierte Produktion besitzt die größten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vorteile innerhalb der Industrie. Die Produktion auf der Basis wiederverwendeter und recycelter Materialien kann ein profitables Vorhaben sein.
In der Recycling-Industrie haben gerade kleinere Unternehmer nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Allerdings sind einige Unternehmen leichter als andere zu gründen. Da der Mehrwert von Materialien der Schlüssel für die Rentabilität des Geschäfts ist, lässt sich mit einem Verfahren, das die Verwendung von Materialien mit sehr niedrigen oder negativen Kosten für ein neues Produkt vorsieht, ein viel höherer Marktwert erzielen. Aufgrund ihrer niedrigen Werte besitzen grünes oder mischfarbiges Glas, Mischpapier, Kunststoff, Altreifen, Bau- und Abbruchabfälle sowie Altholz hier ein großes Potenzial.
Ein weiterer Ansatz zur Herstellung eines Produkts, das bereits auf dem Markt ist, betrifft das Ersetzen von neuem Material aus recycelten Materialien. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Produkte, die heute auf dem Markt verteilt werden, stellen wirklich neue Erfindungen dar.
Die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Recycling-Aktivitäten überwiegt bei weitem die bei der Entsorgung (bezogen auf eine pro Tonne als Grundlage). Die Anzahl an Jobs und die Höhe der Löhne wird gesteigert, wenn Wertstoffe gesammelt, verarbeitet und hergestellt werden. Die Sortierung und Aufbereitung von Wertstoffen erschafft zehnmal mehr Arbeitsplätze als verfügbar wären, wenn diese Materialien einfach weggeworfen würden.
Hersteller, die wiederverwertbare Materialien verwenden, um neue Produkte zu machen, beschäftigen noch mehr Menschen mit höheren Löhnen. Zum Beispiel, beschäftigen einige Recycling-basierte Papierfabriken und Kunststoff-Produkt-Hersteller zwischen 25 bis 60-mal so viele Arbeiter wie Deponien (pro Tonne).


