2.1 Philosophical level

Auf dieser „hohen“ Ebene geht es um prinzipielle Begründungen: es wer¬den ethische Geltungsansprüche erhoben, die universell – d. h. für alle Mitglieder der ethischen Diskurs-gemeinschaft – gelten sollen. In dem philosophischen Diskursuniversum der Umweltethik werden die Argumente pro oder contra bestimmte umweltethische Positionen entwickelt und zur Debatte gestellt. Die Teilnehmer an dieser Diskussion sind zunächst einmal die akademisch tätigen Ethik-Experten, die Umweltethiker; sodann gehören alle Personen dazu, die in ihrem beruflichen Kontext umweltrelevante Entscheidungen zu treffen haben (Politiker, Juristen, aber auch Ingenieure, Biotechnologen usw.); in einem erweiterten Rahmen können aber alle Menschen an der umweltethischen Debatte partizipieren, insofern sie über ein entwickeltes Umweltbewusstsein verfügen und sich über ihre Handlungen gegenüber der Umwelt Rechenschaft ablegen wollen. Zur Orientierung sind alle Nicht-Philosophen unter den Teilnehmern des umweltethischen Diskurses freilich auf die Vorarbeit der Ethikexperten angewiesen: von den Umweltethikern erwarten sie begrün¬dete Vorschläge für ein umweltgerechtes Verhalten und die argumentative Auflösung umweltethischer Konflikte.

Allerdings existieren innerhalb der Umweltethik – wie oben schon angedeutet wurde – Kontroversen zwischen den Umweltethikern, die eine Orientierung bislang erschweren: insbesondere anthropozentrische und physiozentrische Positionen stehen sich hier zum Teil schroff gegenüber. Und der Nachvollzug der Argumente, die von Philosophen pro und contra im Hinblick auf die verschiedenen Alternativen vorgebracht werden, ist dem breiteren Publikum nicht so ohne weiteres möglich. Wenn aber schon die innerphilosophische Debatte zu keinen objektiv gültigen Ergebnissen führt, dann ist eine umweltethische Beratung der Öffentlichkeit und vor allem der Entscheidungsträger (Politiker, Ingenieure usw.) nur begrenzt möglich. Letztlich muss jeder Mensch und jede Gesellschaft selbst entscheiden, ob er oder sie neben anthropozentrischen Argumenten auch physiozentrischen Argumenten Gewicht verleihen will – und in welchem Maße.

Ob und inwieweit also tier- und naturethische Aspekte im Verhalten von Menschen und Gesellschaften eine Rolle spielen sollen, muss letztlich von jedem Menschen persönlich bzw. – auf der nationalen und internationalen Ebene – politisch entschieden werden. Damit diese Entscheidungen jedoch nicht bloß intuitiv und mehr oder minder unbegründet getroffen werden, ist es notwendig, sich ein fundiertes Bild von den kontroversen Diskussionen innerhalb der professionellen Umweltethik zu verschaffen. Eben dieses Ziel verfolgt das vorliegende Buch: es soll einen Überblick über die Vielfalt und Verflochtenheit der verschiedenen umweltethischen Positionen geben, auf dessen Grundlage argumentativ ab-gestützte Meinungen und umweltrelevante Entscheidungen im persönlichen Leben, aber auch im öffentlichen Raum entwickelt und verantwortet werden können. Der Fokus des vorliegenden Buches wird daher auf der Analyse der umweltethischen Debatten liegen, um dadurch dem Leser eine Orientierung zu geben, die es ihm ermöglicht, zu einem ethisch an-gemessenen Verhältnis und Verhalten gegenüber der Umwelt zu finden.

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